Hört auf, euch zu schminken!

Wirklich. Hört einfach auf.

It’s trend!

Seit einiger Zeit beobachte ich einen skurrilen Trend auf Instagram und anderen sozialen Netzwerken: junge Frauen mit Make-Up im Gesicht. Viel Make-Up, also wirklich viel, viel Make-Up. Anscheinend heißt es wieder: Mehr ist mehr. Dabei dachte ich, wir hätten die 3-Kilo-Foundation-Phase schön längst überwunden und sind endlich bei #nomakeup und #naturalbeauty angekommen. Aber Beauty-Stars wie nikkietutorials zeigen uns immer wieder, wie toll Make-Up sein kann. Wehwehchen aka Pickel und Äderchen zaubern wir mit etwas Make-Up weg. Unreine Haut? Egal. Schminke drauf, fertig! Und ganz nebenbei hat man sein Gesicht auch noch schnell mit Hilfe von Contouring und Strobing modelliert. Zack, viel Geld beim Beauty-Doc gespart. Damit die ganze Masse im Gesicht auch hält, müssen wir noch ein bisschen baken. Großartig. Nikkie hat Recht: The power of make-up is real!

Dass man sich gerade kiloweise Produkt ins Gesicht schmiert, um wie ein anderer Mensch auszusehen, vergessen wir schnell. Ist ja auch nicht so schlimm, nachdem man den perfekten Look geschminkt hat, fühlt man sich so super glam – ganz wie Nicole Kidman hat man sich elfengleich schöne Haut geschminkt. Die eigene Gesichtsfarbe? Sieht man nicht mehr. Endgeil.

 

Erstmal an die eigene Nase fassen, Angela.

But wait, Angela. Du liebst doch Make-Up. Was ist dein Problem? Mein Problem ist: Die Basis stimmt nicht. Und mit Basis meine ich hier das pure, reine Gesicht. In so vielen Tutorials sehe ich, wie sich junge hübsche Frauen wahnsinnig viel Produkt ins Gesicht pinseln, um ihre schlechte Haut zu verstecken. Viel wichtiger ist es doch, erstmal eine schöne Basis zu schaffen. Sich von der Problemhaut zu verabschieden, indem man die eigene Haut richtig kennenlernt und dann lernt, diese richtig zu pflegen. Kein Highlighter der Welt bringt dir so viel Glow wie deine eigene gesunde Haut. Wenn die Haut bereits vor Feuchtigkeit und Vitalität strahlt, kommt doch das Make-Up erst richtig zur Geltung. Schließlich ist nichts unattraktiver als schlechte Haut, die mit zu viel Produkt zu gespachtelt ist. Denn gerade dann wird die größte Befürchtung wahr: Es sieht cakey aus. Und das will nun wirklich niemand.

Ich gestehe ja, dass ich vor Jahren, ca. mit 15/16 Jahren, auch ganz frei nach dem Motto gelebt habe: „Gimme more! Ohne Concealer und Foundation? Ohne mich!“ Ich habe mich nicht ohne Make-Up aus dem Haus getraut, weil meine Haut so schlecht war. Bis ich die bahnbrechende Idee hatte, meiner Haut einfach mal eine Pause zu geben. Drei ganze Monate kein Make-up, absolut gar nichts, was die Haut belasten kann. Nur eine gute Gesichtsreinigung, Tonic und eine Feuchtigkeitspflege. Wahnsinnig unwohl habe ich mich in der Zeit gefühlt, aber es war es wert. In den drei Monaten habe ich gelernt, wie meine Haut atmet, lebt und auf die Umgebung reagiert. Aber vor allem, wie sie regeneriert. Es war womöglich eine meiner besten Beauty-Entscheidungen, denn seitdem (ohne zu überheblich sein wollen) werde ich immer wieder auf meine gute und schöne Haut angesprochen, manchmal auch beneidet. Dass ich stets auf „Welche Foundation benutzt du?“ mit „Gar keine. Zu besonderen Anlässen nur was sehr Leichtes.“ antworten kann, macht mich persönlich sehr stolz.

Hört auf, euch zu schminken!

Natürlich sollt ihr nicht für immer aufhören, euch zu schminken. Dafür ist Make-Up viel zu toll. Was ich mir nur wünsche ist, dass a) wir alle lernen, unsere Haut und unseren Körper besser kennenzulernen und wissen, wie wir diesen für unser bestes Wohl pflegen und b) uns nicht ins Absurde perfektionieren zu wollen. Hebt das Beste von euch hervor, aber mit weniger Produkt. Versucht nicht, wie ein anderer Mensch auszusehen. Gleicht lieber nur kleine Makel aus und zeigt euer bestes Ich mit eurer besten Haut.

Und ja, auch zu meiner täglichen Routine gehört ein leichtes Contouring dazu und an besonderen Anlässen bake ich sogar. Aber vielleicht lassen wir es nicht ganz so ausarten wie im Video „Define Beauty: Am I Ugly? Has contouring culture gone too far?“ von Marie Schuller. Schön sind nämlich alle – auch ohne Make-up.

 

Header photo via Unsplash

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