Fernbeziehungen sind hart

fancyandpants emiliacoeur

Hin und wieder kommt die eine Frage immer wieder auf. Mittlerweile seltener, aber aus dem Nichts ploppt sie immer wieder auf: Wie schafft ihr das eigentlich – diese Sache mit der Fernbeziehung? Meine Antwort: Ich weiß es nicht.

Vor einigen Jahren schrieb ich zu dem Thema bereits einen kurzen Text:

Schwierig ist es auf jedenfall, aber auch schön. Fernbeziehungen sind was für Menschen, die sich nicht zwischen „Single sein ist total toll“ und „In einer Beziehung sein, ist das Beste der Welt“ entscheiden können. Warum? Die Tage, wo man fast alle Freiheiten eines Singles hat. Man kann machen, handeln, tun, was man will mit der Bedingung den anderen dabei nicht zu verletzen. Allerdings mit dem Wissen jemanden zu haben , der einem Rückendeckung schenkt und gleichzeitig (hoffentlich) an einen denkt. Und dann gibt es die Tage, wo man sehnsüchtig auf das nächste Treffen wartet, wo man sich dann sieht. Das sind die Tage, wo man wie frisch verliebt ist – und das immer, wirklich immer. Ich kann mich an kein einziges Treffen mit meinem Mann erinnern, wo ich keine Schmetterlinge im Bauch hatte; auch wenn wir nun bald zwei Jahre zusammen sind.

Inzwischen sind es nun knapp fünf Jahre Fernbeziehung. Das „Schwierig ist es auf jedenfall, aber auch schön.“ kann ich nach wie vor bestätigen. Aber nach fünf Jahren habe ich auch festgestellt, dass es mir leichter fällt dieses sich nicht sehen zu ertragen – was aber auch nicht heißt, dass ich es gut finde. Es ist eher Routine geworden, dass wir uns erst an den Wochenenden sehen; und das manchmal nur alle zwei bis drei Wochenenden – je nachdem, wie eingespannt wir sind. Oder, dass wir uns nicht mal eben treffen können, sondern das Treffen ein bisschen mehr Planung braucht. Aber genauso sehr haben wir unsere gemeinsamen Routinen entwickelt: Nahezu täglich telefonieren wir abends, teilen oft viele Momente virtuell miteinander, shoppen gemeinsam aus der Ferne (iMessage sei dank!), usw.
Für viele gilt die Routine in der Beziehung das als große Unheil, das Ende einer Beziehung. Wie oft sieht man in Hollywood-Streifen die typischen Szenen einer unglücklichen Frau, die seit Jahren in einer zu routinierten Beziehung lebt und Sehnsucht nach dem Feuerwerk in der Beziehung hat. Hier ist eine kleine Entwarnung: Man lebt sich nicht auseinander, weil eine Routine entstanden ist, sondern weil der Mensch sich nunmal verändert. Ansichten verändern sich, der Körper verändert sich, die Umwelt verändert sich. Und ja, die Emotionen sind in einer Fernbeziehung groß, wenn man sich nach langem wieder sieht. Aber mehr Feuerwerk, als in einer gewöhnlichen Beziehung gibt es wirklich nicht.
Was ich also über die Jahre ganz klar gelernt habe: Routinen sind nichts schlimmes. Routinen helfen einem oft sogar etwas mehr oder weniges unangenehmes zu überwinden, wie beispielsweise eine Fernbeziehung. Wir haben so einen Weg gefunden uns täglich im Alltag mit einzubinden, ohne physisch beieinander zu sein. Gemeinsam glücklich sein kann man eben auch aus der Ferne. Das große Feuerwerk hat jeder selbst in der Hand und gezündet wird es aus meiner Sicht durch viel Vertrauen und vor allem einer großen Portion Wertschätzung, die man einander schenkt.

Eine Erfolgsformel gibt es also für Fernbeziehungen nicht, was auch für alle anderen Dinge im Leben gilt. Gäbe es für alles eine Erfolgsformel, wären wir schließlich alle gleich erfolgreich, glücklich und es herrsche Weltfrieden. Letzteres wäre übrigens tatsächlich sehr schön.

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