Art Basel 2016 – Unlimited Highlights

JAQUELINE HUMPHRIES, UNTITLED, 2015/16 (Art Basel)

Vor einer halben Ewigkeit (um genau zu sein vor einem Monat) habe ich euch meine persönlichen Highlights der Art Basel 2016 versprochen. Dann kamen allerdings Job, Uni, Prüfungen und einfach das Leben dazwischen, dass ich es nie geschafft habe, diesen Artikel fertig zu stellen. Jetzt habe ich das erste Mal nach zwei Jahren wieder richtige Semesterferien – so ganz ohne Hausarbeiten zu schreiben und für Klausuren lernen – und finde nun endlich Zeit, diverse Texte fertig zu schreiben. So auch diesen. Hurra!

Wie ich bereits in meinem LISTE-Artikel erzählte, ist der Besuch der Art Base für mich seit einigen Jahren dick im Kalender eingetragen. Immer wieder freue ich mich aufs Neue, auf einem kleinen, aber hübschen Fleck der Welt so viel Kunst zu sehen, spannende Talks zu besuchen und mich mit anderen Kunstinteressierten zu vernetzen. Letzteres erscheint während der Art Basel immer einfacher zu sein als bei üblichen Kunstveranstaltungen. Die Messe besitzt eine gewisse Aura, die eine Gelassenheit in allen Kunstmenschen entfaltet. An keinem anderen Ort fällt es mir so leicht, mit fremden Menschen ins Gespräch zu kommen. Und wer mich kennt weiß, dass ich bei der ersten Begegnung ein eher schüchterner Mensch bin. Aber viel wichtiger ist: Das Gefühl erfahren, dass man auf einer Ebene ist. Euphorisch über besondere Kunsterfahrungen erzählen ohne schief angeschaut zu werden. Denn hier scheint man sich zu verstehen und offen für Abstruses und Abstraktes zu sein. Eine gewisse Ignoranz erfährt man höchstens in den Messehallen mit den Galerieständen. Das Szenario ähnelt dem Betreten einer Boutique eines High-Class-Labels – siehst du nicht nach viel Geld aus, bekommst du keine Beachtung. Über die Jahre habe ich aber gemerkt, dass dies besonders am letzten Messetag auftritt; wahrscheinlich liegen da einfach schon die Nerven blank, denn eine Woche Messe sind tatsächlich kein Zuckerschlecken.

Aber kommen wir zu dem, wovon ich eigentlich erzählen wollte: Meine Highlights der Art Basel 2016. Um genau zu sein, meine Highlights der Unlimited-Ausstellung, weil es sonst mit einer endlos langen Liste von über 50 Werken endet.

Für alle, die noch nie auf der Art Basel waren, hier eine kleine Erklärung, wie die Messe aufgebaut ist. Die Messe besteht aus verschiedenen Teilen, die sich über die ganze Stadt Basel erstreckt:

Galleries – Hier präsentieren die Gallerien ihre besten Objekte, die zum Verkauf stehen. Ein prima Ort, um sich einen Überblick zu verschaffen, was und wer auf dem Kunstmarkt besonders beliebt ist.

Unlimited – Die Unlimited ist eine seit Jahren von Gianni Jetzer kuratierte Ausstellung während der Art Basel, die als Einleitung zum Galleries-Bereich zu verstehen ist und vor allem aber Raum für große Arbeiten bietet, die in einen gewöhnlichen Messestand nicht reinpassen. Hier werden skulpturale Arbeiten, Malerei, Live-Performances, großformatige Installationen und auch Video-Arbeiten gezeigt.

Parcours – Mit Parcours wird der Messebesucher aus den Hallen herausgelockt. In der kompletten Stadt verteilt sind Kunstwerke zu finden, die stark vom Aspekt der site-specificity (≈ Werk ist abhängig vom Ort) geprägt sind.

Film – Über die gesamte Messezeit werden Filme von und über Kunstschaffende, wichtige Schlüsselfiguren usw. gezeigt.

Talks – Der Name ist Programm. Hier treffen Künstler auf Sammler, Kritiker, Direktoren und Kuratoren und tauschen sich über den State of the Art aus. Für alle, die sich einen vertieften theoretischen Einblick in die Kunstwelt verschaffen wollen und neue Denkanstöße suchen.

Die diesjährige Unlimited erschien mir thematisch politischer als die vergangenen Jahre. Dies führte dazu, dass ich zunächst mit gemischten Gefühlen die Ausstellung verlassen habe, da ich mir nicht sicher war, ob das Konzept stimmig war oder eine wilde Anreihung an Kunstwerken mit starken politischen Statements und einigen Blockbuster-Werken. Voreilig habe ich die Unlimited als „Boah, die war jetzt aber nicht so gut wie letztes Jahr.“ abgestempelt. Im Nachhinein muss ich gestehen, dass die Unlimited 2016 doch sehr gut war und wesentlich besser kuratiert. Letztendlich haben mich nämlich nur zwei Dinge wirklich gestört: Die hohe Zahl an Video-Arbeiten (Videokunst ist toll, raubt allerdings sehr viel Zeit. Wenn man nur 2,5 Tage hat, dann ist Zeit wichtig, um möglichst viel mitzunehmen.) Und das wiederholte Auftauchen der üblichen Verdächtigen wie Ai Weiwei, Wolfgang Tillmans und Sol LeWitt. Letzteres ist natürlich Strategie, die ich niemandem übel nehme, und die Werke sind auch ganz und gar nicht nicht als schlecht zu werten. Aber man sieht sie einfach überall, wirklich überall. Totaler Overkill. Man kann es einfach nicht mehr genießen.

Lange Rede, kurzer Sinn. Hier sind nun wirklich meine Highlights (Reihenfolge ≠ Beliebtheit):

JOSEPH KOSUTH, TITLED (ART AS IDEA AS IDEA), 1968

JOSEPH KOSUTH, TITLED (ART AS IDEA AS IDEA), 1968

JOSEPH KOSUTH, TITLED (ART AS IDEA AS IDEA), 1968

 

Jaqueline Humphries, Untitled, 2015/16

JAQUELINE HUMPHRIES, UNTITLED, 2015/16 (Art Basel)

JAQUELINE HUMPHRIES, UNTITLED, 2015/16 (Art Basel)

Das Beste and dem Werk: Alle konnten ihre Kleidungsstücke auf Flusen inspizieren. Thank you Schwarzlicht!

 

Ariel Schlesinger, Two Good Reasons, 2015

ARIEL SCHLESINGER, TWO GOOD REASONS, 2015 (Art Basel)

Wahrscheinlich stand ich eine Viertelstunde da und habe einfach nicht verstanden, wie es funktioniert. Ehrlich gesagt weiß ich es immer noch nicht. Obwohl ich mich extra auf den Boden gelegt habe, um unter das Podest zu schauen. #shameless

 

Rayyane Tabet, The Dead Sea In Three Parts, 2013

RAYYANE TABET, THE DEAD SEA IN THREE PARTS, 2013 (Art Basel)

RAYYANE TABET, THE DEAD SEA IN THREE PARTS, 2013 (Art Basel)

Ein typischer Fall von: Versteht man erst, wenn man den Titel kennt. Dargestellt ist ein Modell vom Toten Meer, gegossen aus Beton, welches der Teilung nach dem „United Nations Partition Plan“ von 1947 entspricht.

 

ililberto Zorio, Microfoni, 1968

Photo credit: Mark Ritchie. Courtesy: Lia Rumma Gallery Milan/Naples

Leider habe ich bei dieser Installation total verschlafen a) ein Video zu drehen und b) ein Foto zu schießen. Warum die runterhängenden Mikrofone so besonders sind? Man durfte endlich selbst Hand anlegen seine musikalische Ader entdecken. Die Betonsteine sind als Podest gedacht, auf welches man sich stellt, um ungeniert in das Mikrofon  zu singen oder auch einfach nur random Geräusche zu machen. Zusammen ergibt es eine spannenden Klangkulisse, die nicht nur beim Hören Spaß macht, sondern auch beim Zuschauen. Während der Art Basel habe ich noch nie so viele lachende Gesichter gesehen.

 

James Turrell, Wedgework, 2016

JAMES TURRELL, WEDGEWORK, 2016 (Art Basel)

Ob sich 45 Minuten in der lange Schlange zu warten für fünf Minuten Wedgework betrachten gelohnt haben? Absolut! Turrell schafft es immer wieder, mit seinen Lichtinstallationen zu faszinieren. Man verliert total das Gefühl für Räumlichkeit. Muss man live gesehen haben.

 

Anish Kapoor, Dragon, 1992

 

ANISH KAPOOR, DRAGON, 1992 (Art Basel)

ANISH KAPOOR, DRAGON, 1992 (Art Basel)

ANISH KAPOOR, DRAGON, 1992 (Art Basel)

Oh Kapoor. Und dieses Blau! Hach. <3

 

Pamela Rosenkranz, Blue Runs, 2016

PAMELA ROSENKRANZ, BLUE RUNS, 2016 (Art Basel)

PAMELA ROSENKRANZ, BLUE RUNS, 2016 (Art Basel)

Dass Wasser eigentlich klar ist und nicht Blau, wissen wir alle. Trotzdem wird es stets in der Malerei (egal auf welcher künstlerischen Ebene) Blau dargestellt. Aus imaginärem blauen Wasser wurde nun Wirklichkeit. Höchst befremdlich wirkt das blaue Wasser – ungesund, chemisch, unrein.

 

Steven Pippin, Ω = 1, 2003-2013

STEVEN PIPPIN, Ω = 1, 2003-2013 (Art Basel)

Na, schonmal ein Bleistift auf der Spitze balanciert? Steven Pippin weiß nun wie es geht und hat das passende Gerät dazu gebaut.

 

Emilio Isgrò, Encyclopedia Britannica, 1969

EMILIO ISGRÒ, ENCYCLOPEDIA BRITANNICA, 1969 (Art Basel)

EMILIO ISGRÒ, ENCYCLOPEDIA BRITANNICA, 1969 (Art Basel)

EMILIO ISGRÒ, ENCYCLOPEDIA BRITANNICA, 1969 (Art Basel)

EMILIO ISGRÒ, ENCYCLOPEDIA BRITANNICA, 1969 (Art Basel)

EMILIO ISGRÒ, ENCYCLOPEDIA BRITANNICA, 1969 (Art Basel)

 

Chelpa Ferro, Jungle Jam, 2010

CHELPA FERRO, JUNGLE JAM, 2010 (Art Basel)

 

Rafael Lozano-Hemmer and Krzysztof Wodiczko, Zoom Pavilion, 2015

RAFAEL LOZANO-HEMMER AND KRZYSZTOF WODICZKO, ZOOM PAVILION, 2015 (Art Basel)

Für alle, die sich nicht oft genug sehen können, ist es großartig. Ansonsten ist es mehr als gruselig und erinnert sehr an Person of Interest.

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